Ein Vordach über der Eingangstür ist eines der dankbarsten DIY-Projekte überhaupt: ein Wochenende Aufwand, 200-500 € Material — und du stehst nie wieder im Regen, wenn du die Tür aufschließt. In dieser Anleitung führen wir dich durch die wichtigsten Vordach-Typen, die Materialwahl, die Konstruktion und alles, was im Praxis-Alltag schiefgehen kann. Inklusive zwei konkreter Beispiel-Maße und ehrlicher Kosten-Kalkulation.
Was du in diesem Artikel lernst
- Die drei Vordach-Typen: Pultdach, Bogenform, frei stehende Konstruktion
- Wie du Maße richtig planst — Tiefe, Breite, Überstand
- Welches Material passt: Stegplatten Klar/Bronze oder Wellplatten
- Die Konstruktion Schritt für Schritt
- So befestigst du das Vordach sicher an der Hauswand
- Wasserableitung — Rinne ja oder nein?
- Zwei Beispiel-Maße mit konkreter Material-Liste und Kosten
Die drei Vordach-Typen
Wand-montiertes Pultdach — der Klassiker
Das einfachste und häufigste Vordach: eine schräge Platte, oben in der Hauswand verankert, vorne durch zwei Stützen oder freischwebende Auslegerträger gehalten. Geeignet für: Hauseingang, Kellertür, Garagen-Nebeneingang. Vorteil: einfach zu bauen, günstig, in 1-2 Tagen montiert. Nachteil: ohne Stützen braucht es eine sehr stabile Wandbefestigung.
Bogenform-Vordach (Walmdach-Variante)
Ein gebogenes Vordach in Halbkreisform — optisch sehr ansprechend, klassisch über Hauseingängen. Stegplatten werden im Bogen gespannt (Polycarbonat ist hier ideal, weil flexibel). Vorteil: hochwertige Optik, Wasser fließt von selbst ab. Nachteil: aufwendiger zu bauen, braucht spezielle Bogen-Profile.
Frei stehendes Vordach
Bei größeren Eingangsbereichen oder wenn die Wand keine Befestigung erlaubt: ein frei stehendes Vordach auf 4 Pfosten. Eigentlich schon ein Mini-Carport. Vorteil: keine Hauswand-Lasten. Nachteil: optisch wuchtiger, statisch anspruchsvoller, oft genehmigungspflichtig.
Maße richtig planen
Tiefe
Das Vordach sollte bei normalem Regen die Eingangstür und einen Stehbereich davor schützen. Faustregel: 100-130 cm Tiefe. Bei einem Vordach über der Haustür mit Treppe planst du 150-200 cm. Weniger als 90 cm: wirkt geizig und schützt nicht zuverlässig.
Breite
Die Breite des Vordachs sollte mindestens 20-30 cm pro Seite über die Türbreite hinausgehen. Bei einer 90 cm breiten Tür also 130-150 cm Vordach.
Höhe und Neigung
Vordachhöhe an der Hauswand mindestens 220-230 cm. Neigung mindestens 5°, besser 8-10° für sicheren Wasserablauf.
Material wählen — Stegplatten oder Wellplatten?
16 mm Stegplatten — die Premium-Wahl
16 mm Polycarbonat-Stegplatten sind die hochwertige, langlebige Lösung. Klare Optik, gute UV-Stabilität, kein Knattern bei Regen. Klar oder Bronze. Schau dir die 16 mm-Collection an.
10 mm Stegplatten — der DIY-Liebling
Reichen bei einem Vordach von 1-2 m² Fläche absolut aus. Günstiger, leichter zu handhaben, einfacher zu schneiden.
Polycarbonat-Wellplatten — der Sparfuchs
Sinus 76/18 oder Trapez-Wellplatten in 0,8-1,2 mm Stärke sind günstig und haben eine sehr charakteristische, etwas rustikalere Optik. Mehr in der Wellplatten-Übersicht.
Farbwahl
Klar: maximale Helligkeit, neutral. Bronze: warmer Schimmer, reduziert Blendung. Opal-weiß: streut Licht, gibt Sichtschutz. Anthrazit/grau: moderner Look.
Die Konstruktion Schritt für Schritt
Schritt 1 — Wandanschluss markieren
Höhe an der Hauswand markieren, mit Wasserwaage waagrecht durchziehen. Wandanker-Position bestimmen (mindestens 4 Anker bei 130 cm Tiefe).
Schritt 2 — Wandanschluss-Profil montieren
Eine Aluminium-Trägerleiste an der Hauswand verankern — mit Statikdübeln. Diese Leiste nimmt später die Vordach-Tragelemente auf.
Schritt 3 — Tragelemente und Stützen
Bei einem 130 cm tiefen Vordach: 2-3 Aluminium- oder Holz-Tragelemente (Sparren) im Abstand von 80-100 cm. Vorne mit Halterungen oder Säulen abgestützt.
Schritt 4 — Verlegeprofile
Auf jeden Sparren ein Klemmprofil. Profile in der Verlegesysteme-Collection.
Schritt 5 — Stegplatte zuschneiden und verlegen
Mit Stichsäge zuschneiden. UV-Seite nach oben, Hohlkammern parallel zum Gefälle. Schraubenlöcher 3-4 mm größer als Schraubendurchmesser bohren (Wärmedehnung).
Schritt 6 — Wandanschluss abdichten
Oberkante mit Wandanschluss-Profil und EPDM-Dichtung wasserdicht abschließen. Dichtbänder in der Dichtungen-Collection.
Schritt 7 — Hohlkammern verschließen
Oben Vollband, unten atmungsaktives Band.
Schritt 8 — Optional: Dachrinne
Mini-Rinnen aus der Dachrinnensysteme-Collection kosten 30-50 €.
Beispiel 1 — Mini-Vordach für Kellertür
Maße: 100 cm breit × 90 cm tief. Material: 1 Stegplatte 10 mm, 2 Alu-Sparren, Wandanschluss, Klemmprofile, Schrauben. Gesamt: ca. 150-220 € Material.
Beispiel 2 — Klassisches Eingangs-Vordach
Maße: 180 cm breit × 130 cm tief. Material: 2 Stegplatten 16 mm klar/bronze, 3 Alu-Sparren, Wandanschluss-Profil, Klemmprofile, Kantenabschlüsse, Stützpfosten. Gesamt: ca. 380-520 € Material.
Wasserableitung — Rinne ja oder nein?
Bei kleinen Vordächern (unter 1 m²) meistens überflüssig. Bei größeren Vordächern (ab 1,5 m²) lohnt sich eine Mini-Dachrinne aus zwei Gründen: erstens sieht die Vorderkante sauberer aus, zweitens bekommst du keinen nassen Spritzbereich am Eingang.
Befestigung an unterschiedlichen Fassaden-Typen
Massivwand (Vollziegel, Kalksandstein, Beton)
Statikdübel M10 oder M12. Bei Vollziegel-Wand mit Verbundmörtel arbeiten. Wandanker mindestens 12 cm tief setzen.
Hohlsteinwand (Porenbeton, Hohlziegel)
Verbundmörtel-Anker mit langer Hülse (mindestens 20 cm). Bei tragenden Konstruktionen Lastfall mit Statiker prüfen.
Wärmedämmverbundsystem (WDVS)
Spezielle WDVS-Lastkonsolen oder Tellerdübel, die bis zur tragenden Wand durchgreifen.
Holzfassade
Direkt in die Konstruktionshölzer schrauben (Vollgewindeschrauben mindestens 80 mm tief).
Typische Vordach-Fehler
Fehler 1: Zu flache Dachneigung
Unter 5° flüsst Wasser nicht zuverlässig ab. Plane immer mindestens 8° Neigung.
Fehler 2: Wandanschluss undicht
Häufigste Fehlerquelle. Sauberer Wandanschluss mit EPDM-Dichtung, sauberer Silikon-Abschluss zur Wand.
Fehler 3: Hohlkammern offen
Schmutz, Insekten, Kondenswasser sammeln sich. Vollband oben, atmungsaktiv unten — kostet wenige Euro, hält das Vordach Jahrzehnte schön.
Fehler 4: Schraubenlöcher zu eng gebohrt
Polycarbonat dehnt sich bei Wärme aus. Bohre die Löcher 3-4 mm größer als den Schraubendurchmesser.
Vordach-Pflege im Jahresverlauf
- Frühling: Reinigung mit klarem Wasser, Wandanschluss kontrollieren
- Sommer: Wassertest nach starkem Regen
- Herbst: Blätter und Schmutz entfernen
- Winter: bei extremem Schneefall ggf. Schnee abräumen
Häufige Fragen zum Thema
Brauche ich für ein Vordach eine Baugenehmigung?
In den meisten Bundesländern ist ein Vordach bis 30 cm Auskragung verfahrensfrei. Größere Vordächer sind oft genehmigungspflichtig.
Welche Schraubart für die Wandbefestigung?
Vollbeton: M10-Statikdübel. Vollziegel oder Kalksandstein: M12 mit Verbundmörtel. Hohlsteinwand: nur Verbundmörtel-Dübel.
Hält das auch bei Sturm?
Wenn die Wandbefestigung sauber gemacht ist und Stützen vorhanden sind: ja. Bei freischwebenden Auslegern brauchst du sehr robuste Wandanker.
Klar oder bronze beim Vordach?
Klar: maximale Helligkeit. Bronze: weniger Blendung, wärmere Optik, besonders bei Süd-/West-Eingang sinnvoll.
Kann ich das Vordach selbst zuschneiden?
Ja. Stegplatten mit Stichsäge (feines Holzblatt oder Spezial-Kunststoffblatt), Wellplatten mit Trennscheibe.
Wie lange hält ein Vordach aus Polycarbonat?
Bei richtiger Verlegung 15-20 Jahre, Premium-Linien noch länger. Konkrete Garantiebedingungen findest du beim jeweiligen Hersteller.
Fazit
Ein Vordach ist das perfekte Einsteiger-Projekt: überschaubares Material, in einem Tag aufgebaut, sofort nützlich. 10 mm Stegplatten reichen für kleine Vordächer, 16 mm für klassische Eingangs-Größen. Brauchst du Hilfe? Unser KI-Produktberater hilft dir in 60 Sekunden — oder hello@biwo-bauwelt.com Mo-Fr 9-18 Uhr.
