Du willst in Hessen ein Carport bauen und fragst dich, ob du eine Baugenehmigung brauchst? Die ehrliche Antwort: meistens nicht – aber Hessen hat eine Besonderheit, die viele übersehen. "Verfahrensfrei" heißt hier nämlich nicht "ganz ohne Formalitäten". In diesem Ratgeber bekommst du die konkreten Maße nach HBO, den wichtigen Hinweis zur Anzeigepflicht und danach die zweite große Frage geklärt: Womit deckst du das Dach am besten ein?
Was du in diesem Artikel lernst
- Bis zu welcher Größe dein Carport in Hessen ohne Baugenehmigung bleibt
- Warum du dein Vorhaben trotzdem bei der Gemeinde melden musst (Formular BAB 33)
- Was die "mittlere Wandhöhe" bedeutet
- Welche Regeln für die Grenzbebauung gelten
- Wann trotz passender Maße doch eine Genehmigung fällig wird
- Ob Wellplatten oder Stegplatten die bessere Dacheindeckung sind
Carport-Baugenehmigung in Hessen
Die gute Nachricht: In Hessen ist ein Carport verfahrensfrei, wenn er eine Brutto-Grundfläche von höchstens 50 m² und eine mittlere Wandhöhe von maximal 3,0 m hat – geregelt in der Hessischen Bauordnung (HBO). Zusätzlich darf die Zufahrt/Zuwegung auf dem Grundstück bis zu 200 m² umfassen, ebenfalls ohne Genehmigung.
Wichtig: die Anzeigepflicht (Formular BAB 33)
Und hier kommt die hessische Besonderheit: "Verfahrensfrei" bedeutet in Hessen nicht "ohne Formalitäten". Es gibt eine Anzeigepflicht – du musst dein verfahrensfreies Carport bei der Gemeinde melden. Das geschieht über das Formular BAB 33 "Mitteilung verfahrensfreier Vorhaben". Diesen Schritt übersehen viele Bauherren – hol ihn unbedingt nach, bevor du loslegst.
Die mittlere Wandhöhe richtig verstehen
Die 3 m gelten für die mittlere Wandhöhe – den Durchschnitt über die Wandlänge, nicht den höchsten Punkt. Bei einem Pultdach ist das der Mittelwert aus niedriger und hoher Seite.
Grenzabstand und Bau an der Grenze
An der Grundstücksgrenze darf dein Carport in Hessen stehen, wenn die mittlere Wandhöhe 3,00 m nicht überschreitet und die Grenzwandfläche maximal 25 m² beträgt. Erlaubt sind bis zu 9 m je Grenze und höchstens 15 m gesamt.
Und der Bebauungsplan?
Auch wenn alle Maße stimmen, muss dein Carport dem örtlichen Bebauungsplan entsprechen. Kommunale Gestaltungssatzungen können Vorgaben zu Dachform, Material oder Farbe machen, die über die HBO hinausgehen.
Disclaimer: Das ist keine Rechtsberatung. Bebauungsplan, örtliche Vorschriften und Sonderfälle können abweichen. Kläre dein Vorhaben immer vorab mit dem zuständigen Bauamt bzw. der Gemeinde und prüfe die aktuelle HBO, bevor du bestellst und baust.
Welche Dacheindeckung? (Well- vs. Stegplatten)
Genehmigung und Anzeige geklärt – jetzt zur Praxis. Die Kernfrage: Wellplatten oder Stegplatten? Beide bringen Licht unters Dach, funktionieren aber unterschiedlich.
Wellplatten sind der robuste, preiswerte Klassiker. Sie werden auf Pfetten verschraubt, leiten Wasser sicher über die Wellen ab und sind besonders schlagzäh – ideal, wenn es günstig und unkompliziert sein soll: alle Wellplatten.
Stegplatten (Doppel- oder Mehrfachstegplatten) dämmen besser, wirken hochwertiger und sorgen für ein gleichmäßigeres Licht. Etwas mehr Montageaufwand, dafür top Optik. Beliebt sind 16 mm Stegplatten als Kompromiss aus Stabilität und Lichtdurchlass.
Die ausführliche Gegenüberstellung liest du hier: Carport-Dach: Wellplatten oder Stegplatten im Vergleich.
Passendes Material
Steht die Eindeckung fest, geht es an Menge und Zubehör – Profile, Dichtungen, Schrauben. Diese Seiten helfen dir konkret weiter:
- Carport bauen & eindecken – der komplette Überblick von Planung bis Montage
- Wellplatten-Kaufberatung – Material, Stärke und Profil richtig wählen
- Produktberater – ein paar Fragen, und du bekommst das passende Set vorgeschlagen
Häufige Fragen
Wie groß darf ein Carport in Hessen ohne Baugenehmigung sein?
Bis 50 m² Brutto-Grundfläche und 3,0 m mittlerer Wandhöhe ist er nach HBO verfahrensfrei; die Zufahrt darf bis 200 m² umfassen.
Muss ich mein Carport in Hessen melden?
Ja. In Hessen gilt eine Anzeigepflicht für verfahrensfreie Vorhaben – über das Formular BAB 33 "Mitteilung verfahrensfreier Vorhaben" bei der Gemeinde.
Darf das Carport direkt an die Grundstücksgrenze?
Ja, bei bis zu 3,00 m mittlerer Wandhöhe und maximal 25 m² Grenzwandfläche, dazu 9 m je Grenze und 15 m gesamt.
Was ist mit dem Bebauungsplan?
Der Carport muss dem örtlichen Bebauungsplan und etwaigen Gestaltungssatzungen (Dachform, Material, Farbe) entsprechen.
Wellplatten oder Stegplatten fürs Carport-Dach?
Wellplatten sind günstiger und robuster, Stegplatten dämmen besser und sehen hochwertiger aus. Details im verlinkten Vergleich.
Heißt verfahrensfrei, dass keine Regeln gelten?
Nein. Neben der Anzeigepflicht musst du Abstandsflächen, Bebauungsplan und örtliche Vorschriften einhalten.
Fazit
In Hessen baust du ein Carport bis 50 m² und 3 m mittlerer Wandhöhe ohne Baugenehmigung – aber vergiss die Anzeige über das Formular BAB 33 nicht, das ist die entscheidende hessische Besonderheit. Ist das geklärt, entscheidet die Dacheindeckung über Licht, Optik und Preis. Unser Tipp: Erst Maße, Anzeige und Bauamt checken, dann Material wählen. Starte hier mit deiner Carport-Planung.
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